Escuela del campo

Holaa,

Ich war in der letzten Februarwoche nicht wie gewohnt in Sopachuy unterwegs sondern habe an einer Außenschule, zwei Stunden Fußmarsch von Sopachuy entfernt – mitten im nichts, geholfen.

Die Schule ist Teil der Comunidad „Milanes bajo“ und ist das einzige Gebäude im Umkreis einer halben Stunde. Die neun Schüler laufen Morgen für Morgen zwischen einer halben Stunde und zwei Stunden lang zur Schule, durchqueren Flüsse, überwinden Berge und lassen sich von keinem Wetter abschrecken.

Die Kinder stammen von insgesamt vier Familien, den einzigen Familien die in dieser Comunidad leben, und sind größtenteils zusammen aufgewachsen. Sie sind es gewohnt 15-60 Minuten lang zu laufen um andere Menschen zu sehen, haben mir sogar gesagt ihr Schulweg sei doch total kurz!

Kaum einer der Kinder die auf diese Schule gehen, geht jemals auf eine weiterführende Schule, macht geschweige denn eine Ausbildung. Die mindestens zwölfköpfigen Familien leben von dem was sie anbauen und züchten. Das wenige Geld, was sie besitzen, wenn sie überhaupt Geld haben, verdienen sie mit dem Verkauf von Lebensmitteln oder selbstgefertigten Stoffen ihrer eigenen Schafswolle. Nur der Schulbonus (Geld, das die Kinder dafür erhalten zur Schule zu gehen) ermöglicht es denn Familien nach Sopachuy zu wandern und das allernötigste zu kaufen. Es war wirklich interessant zu erfahren, wie die Kinder Leben: Strom hat keine dieser Familien, fließend Wasser nur eine! Gekocht wird auf offenem Feuer und gegessen auf dem Boden.. Ein ganz anderes Leben, das sich darum dreht die Tiere zu halten und sich um die Ernte zu kümmern.

Die neun Schüler sind zwischen vier und 12 Jahren alt und bedürfen daher selbstverständlich sehr verschiedene Lerninhalte. Aber nicht nur damit hat Marcelina, die Lehrerin zu kämpfen! Sie ist die einzige Lehrerin an der Schule, unterrichtet jedes Fach und Jeden Schüler mit ihrem Baby auf dem Rücken geschnürt. An jedem Tag steht ein anderes Fach an, von Naturwissenschaften, über Sportunterricht bis hin zu Sprachen. Mit jedem Schüler wird was anderes gemacht: Dem kleinsten wird beigebracht wie man einen Stift hält, den größten, wie man Texte strukturiert. Aber Marcelina ist nicht nur eine Lehrerin, sondern für einige Schüler auch der einzige Kontakt zur Zivilisation.

Während meiner Arbeit dort habe ich gelernt, wie schwer es ist nicht nur neun verschiedene Unterrichte zu leiten sondern auch mit Kindern zu arbeiten, die es nicht gewohnt sind still sitzen zu bleiben! Zu Hause hüten sie die Tiere, Kochen oder Spielen in der Natur, an einem Tisch zu sitzen und sich stundenlang zu konzentrieren fällt diesen Kindern besonders schwer. Sie brauchen besonders viel Aufmerksamkeit, und Marcelina unglaublich viel Geduld. Die Lehrerin ist ein Vorbild, eine Bezugsperson, sogar ein Teil der Familie. Eine riesen Verantwortung, die Marcelina mit einer Leichtigkeit anpackt, die ich wirklich bewundere! Aber die Kinder geben auch unglaublich viel: Sie sind für die kleinsten Sachen dankbar, sind Hilfsbereit, super sozial, stets fröhlich und geben einem unglaublich viel Liebe. Obwohl ich nur wenige Tage mit ihnen verbracht habe wurde ich mit vielen Umarmungen verabschiedet! Einige Kinder sind mir sogar nachgelaufen um mich nochmals zu verabschieden.

Der kleine Oscar ist mir besonders ans Herz gewachsen: Da er sich einfach nicht auf seine Aufgaben konzentrieren konnte, bin ich mit ihm raus und habe, fern von den anderen Schülern, gearbeitet und feststellen können, dass er ziemlich clever und kreativ ist und einfach nur Geduld und Aufmerksamkeit braucht um das zu zeigen. Ein wirklich lieber Bursche den ich am liebsten mitgenommen hätte 😉

Eine wirklich schöne Erfahrung mit den Neun arbeiten zu dürfen. Ich werde sie ganz sicher nie vergessen!

Besos,

Saita

Ps.: Ich hoffe ich darf noch mal aufs Campo fahren und was mit den Kindern dort machen.

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