sarfu o suthicito?

Holaa,

Ich möchte dir von dem Brillenprojekt erzählen, bei dem ich mitmachen durfte!

HIB – unsere Partnerorganisation – hat das „lentes al insante“- Sofortbrillenprojekt in Bolivien gestartet. Es wurde ein Brillengestell entwickelt, mit welchem man dem Patienten seine fertige Brille gleich nach den Vermessungen und am selben Tag mitgeben kann.

Diverse Freiwillige messen also nach bestimmten Schemata, ob- und wenn ja- was für eine Brille die Patienten brauchen und natürlich welche Stärke die Gläser haben müssen. Mit diesen ermessenen Werten wendet der Patient sich an einen weiteren Freiwilligen, sucht sich ein Brillengestell aus und bekommt gleich im Anschluss eine perfekt sitzende Brille. Dies ist nur dank eines gut durchdachten Systems möglich: Die Gläser liegen in allen möglichen Stärken bereit und müssen nur in das, am Kopf des Patienten zurechtgebogenen, chirurgischen Stahl gesteckt werden und fertig ist die Lese-, Weitsicht- oder Sonnenbrille.

Viele Bolivianer, vor allem Kinder und Senioren, können es sich einfach nicht leisten zum Optiker zu gehen, geschweige denn sich eine Brille zu kaufen. Deswegen werden in einer bolivienweiten Kampagne diese Sofortbrillen an Kinder, Jugendlichen  und Senioren gespendet und an die anderen Patienten sehr preiswert verkauft. Allein die Tatsache, dass die Vermessungen für jeden gratis sind hat dafür gesorgt, dass vor allem in den Großstädten, die Menschen Tage lang schlange gestanden haben, sogar auf der Straße genächtigt haben.

Dank unseres persönlichen Einsatzes ist das Brillenprojekt vor kurzem auch nach Sopachuy gekommen und hat somit selbst den ärmsten vom Campo (Land) helfen können. In Sopachuy haben wir rund 400 Brillen verteilt und noch weitaus mehr Patienten vermessen. Auch wenn es nur darum ging den alten zuzuhören oder den Patienten zu sagen, dass sie sehr gut sehen, JEDER wird angehört und vermessen.

Hier auf dem Land war es durch die Indigene Sprache besonders schwer. Viele Patienten, vor allem die die weit drin im Campo wohnen, sprechen ausschließlich Quechua, was wir natürlich nicht wirklich beherrschen. Mit den wenigen Wörtern, die wir uns entweder selbst angeeignet haben oder von unserem Chef Don Arturo gelernt haben, haben wir also den Menschen geholfen und ihnen ein Lächeln aufs Gesicht gezaubert. Die Patientengespräche sahen meistens so aus:

Sprach der Patient Castellano war das ganze kein Problem:

-Hola, como esta Don/Dona… ? (Guten Tag Herr/Frau.., wie geht es ihnen?)

-Me puede decir que lente necesita, por ver cerca o lejos? (Können sie mir sagen wofür sie     eine Brille benötigen, um nah oder weit zu sehen?)

-Por donde van estos Symboles?/ Puede leer esta frase? ( In welche richte zeigen diese Symbole?/ Können sie diesen Satz lesen?

– Es mejor con este vidrio o con el otro? (Ist es mit diesem Glas besser oder mit dem anderen?)

Also ein angenehmes Gespräch, das einem schnell und einfach darlegt, was für eine Brille benötigt wird und wie stark die Gläser sein müssen.

Auf unserer Castellano-Quechua Mischung war das ganze um einiges komplizierter, aber auch lustiger:

-Imainalla Don/Dona.. ? (Wie geht‘s ihnen Herr/Frau..?)

-pasar aguja suthicito? Ari o mana? (Wenn sie einfädeln sehen sie dann klar, ja oder nein?)

-khawayta wuaca? Ari o mana? (Sehen sie ihre Kuh, ja oder nein?)

-Kay allin? (Damit besser?)

-Kay ari? (Das ja ?)

-Ujtaj ari? (Dieses ja?)

-mana muyu muyu? (Sie haben keinen schwindel?)

So ungefähr verliefen die meisten Gespräche mit Quechua sprechenden Patienten, die meist auch noch halb Taub waren. Ich habe mit den wenigsten Wörtern ermittelt, was sie schlecht sehen und welches Glas ihnen beim sehen hilft.

Oft war es auch unglaublich lustig, da vor allem die älteren Patienten mit den amüsantesten Anliegen kamen. Ein Patient zum Beispiel erzählte mir verzweifelt „mana khawanki wuaca“, er sehe seine Kuh nicht auf dem Feld. Ich wusste gleich, der Gute braucht eine Weitsichtbrille! Ich könnte stundenlang weitere Anekdoten erzählen aber das muss ja nicht sein ;D

Viel wichtiger ist es zu erzählen, dass das Brillenprojekt in Sopachuy so gut angekommen ist und es noch so viele Anfragen gibt, dass wir Freiwilligen von nun an jeden Freitag, neben unserer eigentlichen Arbeit, Brillen verkaufen werden. So hat wirklich jeder, der aus der Region kommt, die Chance sich Vermessen zu lassen und für wenig Geld eine Brille zu kaufen.

Die Brillen kosten nämlich umgerechnet nur 11 Euro und sind somit auch für die Armen bezahlbar.

Ich bin unglaublich froh mitgemacht zu haben und auch weiterhin Brillen verteilen zu dürfen, denn wie schön kann das Leben sein, wenn man es nicht sieht?

Besos,

Sarita

Ps.: Am schönsten fand‘ ich es wenn mir mal wieder ein Patient vor Dankbarkeit die Hände und die Wangen geküsst hat und Sachen gesagt hat, wie „Dios le bendiga“ (Gott segne sie) oder „Dios le va a pagar “ (Gott wird sie dafür bezahlen)!IMG-20170227-WA0074

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